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Dienstag, 30. März 2006

Musik für die Augen

Das VisualizeConcert der Orchestervereinigung

Putzfrauenstreik im hannoverschen Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium? Überall liegen verwaiste Besen und Schrubber herum. Ein kurzer Blick ins Programmheft der Hannoverschen Orchestervereinigung (HOV) klärt auf: Es muss ein Programmhinweis sein. Denn gegeben wird neben Schuberts "Unvollendeter" und Mozarts Doppelkonzert KV 299 (Solisten: Ruth-Alice Marino, Harfe, und Alexander Stein, Flöte) auch Paul Dukas' "Zauberlehrling". Und dort spielt bekanntlich ein unsachgemäß verhexter Besen die Hauptrolle.

Die experimentierfreudige HOV und ihr Leiter Heinz Bethmann haben sich eine überaus originelle Präsentationsform für dieses turbulente Stück Programmmusik (und für die "Unvollendete") einfallen lassen. Das Zauberwort heißt "VisualizeConcert". Dahinter steckt die Idee, Musik nicht nur für die Ohren zugänglich zu machen.

Während die HOV energisch und klangstark aufspielt, blendet ein Videobeamer didaktische Fingerzeige über dem Orchester ein: Wann taucht welches Motiv in welcher Instrumentengruppe auf? Sind wir noch in der Exposition oder schon in der Durchführung? Ein Blick nach oben, und der Zuhörer sieht klarer, was er hört. Das kleine Einmaleins der musikalischen Formenlehre sollte er allerdings beherrschen - Formeln wie "Kanonartige Einsätze des 2. Themas (Quintfall bzw. Quartfall)" dürften Klassiknovizen Kopfzerbrechen bereiten. Trotzdem: Das Konzept ist vielversprechend - es ist lehrreich, ohne zu belehren. Und wer partout nichts lernen will, macht einfach die Augen zu und genießt die Musik pur.

Daniel Behrendt   (Hannoversche Allgemeine Zeitung)

   
   


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